EHC Chur – EHC Wetzikon 3:2
Torschützen für Chur: 2 x Dario Gruber, 1 x Manuel Holenstein
Zuschauer: 857

Die letzten zwei Tage hat die Churer Fans wohl eine Frage besonders beschäftigt: Wie geht es Manuel Holenstein, Yannick Bucher und Roland Durisch? Alle drei konnten das zweite Playoff-Spiel am Donnerstag aufgrund der übertriebenen Härte Wetzikons nicht zu Ende spielen und mussten teilweise schwer angeschlagen in die Kabine. Beim Blick auf die Aufstellung vor dem Spiel erfreut sich der Schreiber an den Namen von Holenstein und Durisch (und Camichel!), jedoch scheint es Yannick Bucher schlimmer erwischt zu haben, er kann noch nicht wieder mitspielen. Gute Besserung, Yannick !

Das Spiel beginnt flott und ausgeglichen, sowohl auf wie auch neben dem Eis. Seit dem Cup-Match gegen den ZSC hat keine Gästemannschaft eine so stattliche Anzahl an Fans mitgebracht wie die Wetziker. Im Gegensatz zum unfairen Gekloppe ihres Teams wissen sich die Wetziker Fans übrigens zu benehmen und supporten ihr Team fair und lautstark.

In der fünften Minute gibt es die erste grosse Chance des Spiels und zwar auf Seiten von Wetzikon, Lele Sarkis krallt sie sich aber mit einem Big Save. Es dauert bis zur neunten Minute, bis den Churer Fans der Torschrei zum ersten Mal im Hals stecken bleibt, nach brillanter Vorarbeit von Holenstein vergibt Lukas Sieber die Chance aber leider. Bis zu diesem Zeitpunkt haben beide Teams ihre Emotionen unter Kontrolle und es gibt noch keinen Anlass für Handgreiflichkeiten. Erst zu Mitte des ersten Drittels kochen die Emotionen ein erstes Mal hoch, als Marc Näf nach einem Vorstoss von einem Wetziker Verteidiger in vollem Lauf fast in Wetzikons Torhüter gestossen wird, einen Zusammenprall nur mit viel Einsatz verhindern kann und nachher trotzdem von den Mannen in weiss in die Mangel genommen wird. Ob ein Wetziker Stürmer in dieser Situation auch so viel Rücksicht genommen hätte und nicht voll in den Goalie gerasselt wäre? Erstaunlich wie cool sich Niffa aus den Umarmungen der Zürcher löst und sich vom „Tatort“ entfernt.

Nur eine Minute später dann der grosse Aufreger des Spiels: Patric Schwab wird von einem Wetziker, der ihn am Oberkörper packt, umgerissen. Leider macht sein Bein diese Bewegung nicht mit und es sieht sehr ungesund aus, wie es sich verdreht, es sieht nur schon vom Zuschauen brutal schmerzhaft aus. Dass Schwäbe auf dem Eis liegen bleibt und diese Saison wohl nicht mehr Eishockey spielen wird, ist einem aber sofort klar, wenn man das gesehen hat. Er begibt sich unter Mithilfe der Sanitäter in die Kabine und schaut sich später mit Krücken den Rest des Spiels von der Bande aus an. Gute Besserung, Patric!

Wie geht ein Team mit so einem schweren Verlust um? Entweder es erstarrt in Schockstarre oder es geht ein „jetzt erst recht“ durch die Reihen. Heute passiert zweiteres. Das Spiel ist kaum wieder frei gegeben, als Manuel Holenstein mit einem Traumpass Dario Gruber bedient, der eiskalt zum verdienten 1:0 einnetzt. Keine Minute später muss ein Wetziker auf die Strafbank, und wieder bedient Manuel Holenstein mustergültig Dario Gruber, der aus spitzem Winkel zum 2:0 trifft. Es folgt die stärkste Phase des EHC Chur während der ganzen Partie, man hat Wetzikon im Griff und das Spiel unter Kontrolle, Curdin Lampert hat die grosse Chance, auf 3:0 zu erhöhen, als er allein auf Simon Scherrer zustürmen kann, den Schuss aber leider über die Latte setzt. Mit einem verdienten 2:0 geht es in die erste Drittelspause.

Chur und das zweite Drittel: Das passt einfach nicht zusammen. Aus meinem Bauchgefühl heraus und ohne gross Statistiken zu checken, wage ich zu behaupten, dass das zweite Drittel immer das schwächste unseres EHC ist. Auch heute wird es nicht anders sein. 90 Sekunden sind gespielt, als die Verteidigung pennt und Wetzikon den frühen Anschlusstreffer erzielt. Lele kratzt den Puck zwar noch von der Linie, gemäss Schiri war das blöde Ding aber schon drüber. Nur eine Minute später leistet sich Marc Näf einen unnötigen (wenn auch hart gepfiffenen Bandencheck) und muss dafür 2 Minuten in die Kühlbox. Wetzikon nutzt die Überzahl zum Ausgleich, der Treffer ist eine exakte Kopie des zweiten Churer Treffers.

In den folgenden Minuten ist Wetzikon das mit Abstand bessere Team. Höhepunkt der Dominanz ist eine Druckphase, in der es Chur trotz immer wieder guten Gelegenheiten, den Puck aus dem Drittel zu klären, für gefühlte Minuten aber einfach nicht schafft. Man sieht den Verteidigern richtig an, wie ihre Kraft immer mehr schwindet, bis sie komplett leer sind. Da ist kein Tropfen Kraft mehr in ihnen drin, aber es gelingt einfach nicht, für Entlastung zu sorgen, und sie können sich nicht auswechseln lassen, weil sie im zweiten Drittel ja auf der „falschen“ Seite spielen. Wetzikon zieht ein richtiges Powerplay auf, und die bemitleidenswerten Churer kommen stets nicht nur einen sondern zwei Schritte zu spät. Dass in dieser Phase kein Treffer fällt, ist ein kleines Wunder. Schlussendlich benötigt es einen Stockschlag von Claudio Engler, damit das Spiel endlich unterbrochen wird. Ein paar Sekunden später folgt ihm ein Wetziker aufgrund eines Crosschecks auf die Strafbank und es geht mit je 4 Feldspielern weiter. Und was dann folgt, meine Damen und Herren, lässt sich mit Worten fast nicht beschreiben. Manuel Holenstein, dieser Sidney Crosby des EHC Chur… dieser Wayne Gretzky der ersten Liga… dieser Gott auf Kufen… holt sich in der eigenen Verteidigungszone den Puck, powert sich der Bande entlang, duckt sich unter einem hohen Ellbogen hindurch, entgeht einem kernigen Check, tanzt den letzten Verteidiger aus und versenkt den Puck wunderschön im Netzhimmel. Eine Augenweide! Tor des Jahres! Was für eine Ehre, diesem Spieler zuschauen zu dürfen und ihn in den eigenen Reihen zu wissen. Ich verneige mich in Ehrfurcht !

Aber bei aller Euphorie: Die Führung für Chur ist unverdient und schmeichelhaft, Wetzikon hat bis zu diesem Zeitpunkt deutlich mehr Spielanteile. Und es wird auch danach nicht besser. Zudem leistet sich Marc Näf nur zwei Minuten später schon wieder einen üblen Check von hinten in der Nähe der Bande (dieses Mal eindeutig und sehr, sehr gefährlich), woraus wieder eine Unterzahl resultiert, ausserdem kommt noch eine Disziplinarstrafe hinzu, Niffa darf sich also 12 Minuten lang abkühlen. Der EHC übersteht die Strafe ohne Gegentreffer. Fünf Minuten vor Schluss des Drittels gibt’s einen Doppelausschluss gegen Wetzikon. Die Gelegenheit, das Spiel wieder in ruhigere Bahnen zu lenken, doch leider stellt sich die Mannschaft sehr kompliziert an, es ist sogar Lele Sarkis, der zwei Mal (!) ein Eigentor (!) verhindern muss, weil die Pässe vor seinem Gehäuse beim Spielaufbau so ungenau gespielt werden.

Das zweite Drittel endet also mit 1:2 und dem Gesamtscore von 3:2.

Das dritte Drittel wird zum puren Krimi. Die Churer Offensive findet kaum noch statt, man überlässt Wetzikon Puck und Spieldiktat und konzentriert sich aufs verteidigen und auf gelegentliche Nadelstiche, die jedoch an einer Hand abzuzählen und dazu noch ungefährlich sind. Nach 5 Minuten spielt ein Wetziker zum wiederholten Male den sterbenden Schwan, nachdem er gefoult wurde, jedoch hat der Schiri endlich mal die Eier, und schickt nicht nur Übeltäter Curdin Lampert auf die Strafbank, sondern auch den übertrieben schauspielernden Zürcher. Ein kleiner Einschub am Rande: Wer will sehen, wie die Spieler seiner Mannschaft bei jedem Foul den sterbenden Schwan spielen, nach jedem Pfiff des Schiris zu dritt, viert oder sogar fünft mit ihm diskutieren, jeden Unterbruch bis zum Wiederanspiel mit Diskussionen ausreizen? Eben, ich auch nicht. Falls es das jedoch braucht, um die Serie zu gewinnen, dann bitte, soll es halt so sein. Chur spielt momentan viel zu lieb und anständig und wird dadurch benachteiligt. 4 verletzte Spieler in den letzten 2 Partien sprechen eine klare Sprache. Ein Sieg durch eine überzeugende spielerische Leistung wäre mir zwar lieber, aber wenn es für erfolgreiche Playoffs diese Mätzchen braucht, dann soll und muss sich unser Team halt auch auf dieses Niveau begeben. Dies nur meine persönliche Meinung zu diesem Thema, darf natürlich jeder sehen, wie er will…

Zurück zum Spiel: Wetzikon macht weiter Dampf und schnürt unsere Mannschaft im Verteidigungsdrittel ein. Dem Ausgleich sehr nahe kommen sie, als ein Schuss hoch an den Pfosten knallt. Der gestern erneut bärenstarke Sarkis wäre chancenlos gewesen. Ansonsten verteidigt Chur auch ohne Patric Schwab gut und lässt kaum noch Hochkaräter zu. Mitte Drittel spiel Wetzikon für mehrere Sekunden mit sechs Feldspielern, und es liegt an den Churer Fans – genauer gesagt an den Jungs in der Rheinkurve direkt neben der Spielerbank der Gäste – den Schiri höflich aber bestimmt darauf hinzuweisen. Tatsächlich hört Schiedsrichter Gundel die Reklamationen aus der Kurve, zählt kurz durch und pfeift die Strafe, Danke für eure Aufmerksamkeit, ihr bösen Ultras! Die Strafe kann zwar nicht zum beruhigenden Zweitore-Vorsprung ausgenutzt werden, aber wenigstens stehen wieder 2 Minuten weniger auf der Anzeigetafel.

Die letzten Minuten und Sekunden schmelzen dahin wie Schnee im Januar im Meiersboden. Also gar nicht. Viel zu langsam. Wie lange kann eine Minute gefühlt dauern? Man fasst es nicht… Der Druck aufs Churer Tor ist riesig und 90 Sekunden vor Schluss verlässt Simon Scherrer zugunsten einen sechsten Feldspielers seinen Kasten. Damit nimmt der Druck natürlich sogar noch zu und es wird einem Angst und Bange, wenn man sich diese Szenen anschauen muss. 40 Sekunden vor Schluss erweist Dani Peer seinem Team (und den leidenden Fans) einen Bärendienst, in dem er ein völlig unnötiges Haken provoziert und auf die Strafbank muss. Das heisst also 6 gegen 4 Feldspieler. Die Churer wehren sich heroisch, doch wenige Sekunden vor Schluss kommt er, der Schuss, der das Spiel ausgleicht. Aber halt, nicht zu voreilig… da steht ja noch unser Teufelskerl zwischen den Pfosten! Obwohl viele Spieler direkt vor ihm stehen und der Schuss verdeckt und kaum sichtbar abgegeben wird, schnellt seine Fanghand in die Höhe und krallt sich den Puck mit einem blitzschnellen Reflex aus der Luft. Eine Wahnsinns-Parade! Lele Sarkis, dieser Wladislaw Tretjak des EHC Chur… dieser Dominik Hasek der ersten Liga… diese Berliner Mauer zwischen den Pfosten!

Nach diesem letzten Höhepunkt sind nur noch wenige Sekunden zu spielen und unsere Mannschaft bringt den Sieg dann doch noch über die Runden. Tonnenschwere Steine der Erleichterung hört man aus jeder Ecke des Stadions zu Boden fallen. Jeder Churer Fan ist heute wohl um Jahre gealtert. Solche Spiele tun Herz und Kreislauf nicht gut.

Die drei besten Churer:

*** Lele Sarkis
** Manuel Holenstein
* Dario Gruber

ALLE BILDER ZUM SPIEL GIBT ES HIER

3 Kommentare

  1. Ich als EHCW fan finde eure Matchberichte sehr gut geschrieben. Allerdings finde ich es nicht ganz fair unsere Spieler in ein schlechtes Licht zu stellen, wie wäre es wenn man erwähnt das zB euer 27 unseren Fans zur provokation die Zunge rausgestreckt hat?
    Und wir haben ebenso verletzte Spieler, welche sich aber zusammenreissen und weiter spielen bis sie wirklich k.o sind.

  2. Liebe Leyla

    besten Dank für Deinen Kommentar. Schön dass Du unsere Matchberichte verfolgst und auf unserer Fan-Seite zu Gast bist. Ich als Schreiber des letzten Spielberichts nehme gerne dazu Stellung.

    Natürlich schreibe ich die Matchberichte aus der Sicht eines Fans. Ich würde aber nie gegnerische Spieler unfairer Aktionen bezichtigen oder „in ein schlechtes Licht stellen“, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass es stimmt, was ich schreibe. Allerdings weiss ich eigentlich gar nicht, wo im Text ich einen Spieler von euch in ein schlechtes Licht gerückt haben sollte. Du darfst mich gerne darüber aufklären.

    Jeder Spieler hat in dieser Phase der Saison ein paar Wehwehchen und blaue Flecken, sowohl bei euch, wie auch bei uns. Aber aufgrund der Direktbegegnungen so stark verletzt, dass sie nicht mehr spielen können, sind momentan nur zwei Churer, wobei ich die Verletzung von Patric Schwab keinem Wetziker in die Schuhe schiebe (und dies auch im Spielbericht nicht getan habe). Holenstein und Durisch, die nach den unfairen Aktionen am Donnerstag in Wetzikon während des Spiels ausfielen, haben sich am Samstag auch zusammengerissen, um trotz Schmerzen zu spielen, nicht nur die Wetziker sind harte Kerle. Was in Wetzikon abgelaufen ist, war aber eindeutig zu viel des Guten. Euer Trainer spricht ja selber von „sehr, sehr gesunder Playoff-Härte“ und die Strafenbilanz beweist dies schwarz auf weiss. So objektiv sollte man auch als Fan sein können, um dies zugestehen zu können.

    Ich will das jetzt nicht zu sehr ins lächerliche ziehen, aber dass euch einer unserer Spieler die Zunge rausgestreckt hat, soll ich im Spielbericht erwähnen? Das ist nicht Dein Ernst, oder?

    Ich habe es in vielen meiner Berichte immer wieder erwähnt: Ich mag Wetzikon und euch Fans und werde euch nächste Saison vermissen. Momentan ist für diese Serie aber halt fertig mit Kuscheln, aber alles in fairem Rahmen :-)

    Sportliche Grüsse und weiterhin viel Spass mit dieser interessanten Serie
    Thomas
    ehcfans.ch

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