EHC Seewen – EHC Chur 0:11 (0:4, 0:3, 0:4)

Tore für Chur: Fischer (2), Horber (2), Rexha (2), Bucher (2), Sieber, Pfennich, Lampert
Zuschauer: 523 (davon 25 Churer)

Der EHC Chur überfährt den EHC Seewen mit 11:0 !

Auswärtsspiel in Seewen. Immer wieder eine Reise wert. Darum sehr erstaunlich, dass kein Car und nicht mal ein Büssli fährt. Und keiner meiner ehcfans-Kollegen fragt nach einem freien Platz in meinem Auto. Komisch. Bleiben alle zuhause? Bahnt sich da schon die erste “dia wiita Uswärtsfahrta sind doof!”-Depression an? Ja nu, dann fahren wir halt nur zu zweit…

Der Weg nach Seewen zieht sich dieses Mal gefühlt sehr lange dahin. Scheiss Allerheiligen-Verkehr. Endlich die Abzweigung Schnidellegi (war eigentlich ein Verschreiber, gefällt mir aber). Den Berg hoch, auf den Sattel. Wir durchqueren Rocky 2 und Rocky 3. Mein Beifahrer ist eingeschlafen. Eine Katze springt plötzlich auf die Strasse, Vollbremsung. Mein Beifahrer ist wieder wach. “Nur noch 10 Minuten, dann sind wir da!”. Er döst trotzdem wieder ein. In der Halle angekommen dann doch wieder all die bekannten Gesichter. A.F., R.C., C.C… nur F.C. fehlt. Zum Glück! Wenn der dabei ist, verlieren wir immer. IMMER ! Ein gutes Omen also?

Die ersten Minuten sind nicht besonders schön anzuschauen. Seewen versucht das Spieldiktat zu übernehmen, tut sich aber extreeeem schwer mit der Angriffsauslösung, da klappt gar nichts. Und Chur will nichts für das Spiel tun, die Mannschaft steht extrem hoch und blockt die Seewener schon an deren blauen Linie ab, so dass sich die Seewener immer wieder neu formieren müssen und von hinter dem eigenen Tor einen neuen, vergeblichen Versuch starten. In der 4 Minute wird’s erstmals ein bisschen brenzlig, als die Seewener es doch einmal ins Churer Abwehrdrittel schaffen, dort geht tatsächlich ein Stürmer vor dem Tor vergessen, wird angespielt, umkurvt Lele Sarkis, der sich am Boden liegend den Puck aber doch noch krallen kann, bevor er ins Tor geschoben werden kann. Kurz danach die erste Strafe des Spiels, Pepe Bigliel muss für ein Foul in der Offensivzone in die Kühlbox. Es gibt ein paar mehr oder wenige gute Chancen für Seewen, die grösste pariert Lele Sarkis mit einer blitzschnellen Fanghand-Parade. Sah geil aus, Lele!

In der 9. Minute tritt auch Chur erstmals offensiv in Erscheinung, Luca Infanger wird im Slot angespielt, schiebt den Puck aber daneben. Wäre auch fast frech gewesen, hier in Führung zu gehen, denn weiterhin ist es Seewen, das (viel) mehr fürs Spiel tut. Ohne aber gefährlich zu sein, notabene. Mitte Drittel gibt’s endlich wieder mal eine Grosschance, die ihren Namen verdient, der Puck wird vor Lele durch den Slot gespielt, zwei Seewener sind mit ihren Stöcken fast dran, es fehlen aber ein paar wenige cm für die Führung.

Als es nach 14 Minuten die erste Strafe für Seewen gibt, hört man im Churer Fanblock schon die zynischen “ou nei, Powerplay für üs. Liaber eins für sie, denn wär d’Chance uf as Goal für üs grösser”. Doch die Mannschaft straft uns Lügen, Ron Fischer hämmert die Scheibe nach wenigen Sekunden in die Maschen, da ist die Führung für unseren EHC.

Man hat sich im kleinen, aber feinen Churer Fanblock (25 schöne Menschen) noch kaum fertig abgeklatscht, zugeprostet oder gefreut, als Dario “Jesus” Horber sogar auf 2:0 erhöht. Ich gebs zu, ich habs gar nicht richtig gesehen. Aber war sicher wunderschön! Doppelschlag, 2:0. Und nur ein paar Sekunden später hat Yannick Bucher sogar das 3:0 auf dem Stock, kann die Chance aber leider nicht verwerten. Ein 3:0 wäre auch fast frech gewesen. Aber der EHC ist heute frech, denn es dauert wieder nur ein paar Sekunden, als Alban Rexha einen Abpraller nach einem Schuss von Lukas Sieber aus der Luft in Baseball-Manier zum 3:0 verwertet. Was ist denn hier los? Eine Chancenverwertung von fast 100%, das ist ja mal komplett etwas neues für den EHC. Und es wird sogar noch besser, denn ganze 12 Sekunden (!) später zirkelt Jesus Horber einen Backhander genau ins Kreuz. 4:0 ! Wir wähnen uns im falschen Film. Schon ein 1:0 für Chur zur Drittelspause wäre ziemlich schmeichelhaft gewesen, aber ein 4:0? Ich glaube niemand in der Halle realisiert, was da soeben passiert ist. Wir verhöhnen den Seewener Goalie, der nach einem Drittel eine Fangquote von wohl gegen 0 % hat. Hat er wohl auch noch nicht oft erlebt, so ein Drittel, der arme…

Wir wären aber nicht treue Fans des EHC Chur, wenn wir in der Drittelspause nicht unisono der Meinung wären: “do isch no überhaupt nüd entschida!”. Zu viel haben wir mit diesem Club schon erlebt.

Das zweite Drittel beginnt komplett anders als das erste. Den Seewenern ist die Verunsicherung deutlich anzumerken, während unsere Spieler vor Selbstvertrauen nur so strotzen, Spielzüge aus dem Bilderbuch aufs Eis zaubern und aus allen Positionen schiessen. Auch Lukas Sieber versucht es nach 4 Minuten, sein Schuss verkommt allerdings zu einem Schüsschen, was den Goalie anscheinend so irritiert, dass er den Puck doch tatsächlich durchrutschen lässt. 5:0. Der arme Kerl hat danach genug und lässt sich auswechseln. Doch auch sein Stellvertreter bekommt nur zwei Minuten später die Hörner des Steinbocks zu spüren, es ist Yannick Bucher, der das Netz zappeln lässt. 6:0 ! Jetzt schwindet auch dem letzten Skeptiker im Churer Block die Angst vor einer Wende, nur C.C. beharrt noch darauf, dass erst ein 7:0 die Entscheidung wäre. Lange muss er nicht zittern…

Doch Mitte Drittel gibts zuerst noch einen Penalty für Seewen. Die Churer lassen sich in einem Powerplay mal wieder auskontern, Ron Fischer stoppt den durchbrechenden Stümer regelwidrig. Es passt aber zum Spiel, dass dem Seewener wohl Knie und Stock schlottern und er Lele Sarkis mehr anschiesst, als dass der den Puck halten muss. Es will heute bei Seewen halt einfach gar nichts gelingen, solche Tage gibt’s, da können wir zur Genüge Lieder davon singen.

Danach plätschert das Spiel ein paar Minuten mehr oder weniger ereignislos dahin, Seewen kann nicht mehr, Chur will nicht mehr. 4 Minuten vor Drittelsende wird es Sieber und Rexha dann aber zu langweilig, sie kombinieren sich mit einem doppelten Doppelpass traumhaft übers halbe Feld und Rexha muss schlussenldich nur noch einschieben. 7:0, Weltklasse-Treffer! Da haben sich zwei gefunden, Sieber und Rexha harmonieren mittlerweile wie Ernie und Bert !

Zu Beginn des dritten Drittels hat sich das Stadion merklich geleert. Wen wunderts, wer will sich schon ansehen, wie sein Herzensverein so vernichtet wird? Ausserdem ist es heute schweinekalt in der Halle, das merken die Heimfans aber bestimmt mehr als wir Churer. Bei uns herrscht eitel Sonnenschein.

Chur legt wieder los wie die Feuerwehr. Nach genau 10 Sekunden verpasst Lampert seinen ersten Treffer am heutigen Abend, 20 Sekunden später Ehinger ebenfalls. Beides Grosschancen, die der (übrigens erst 17jährige!) Ersatzgoalie der Seebner parieren kann. Dann schläft das Geschehen auf dem Eis aber wieder ein, die Churer versuchen zu zaubern, Seewen versucht eine noch grösser Blamage zu verhindern. Für Erheiterung sorgt zwischendurch Lukas Sieber, der direkt vor dem Churer Block einem Seebner mit einem lauten “Dä han i !” nachjagt und ihm den Puck dann tatsächlich auch abluchst.

Mitte Drittel gibt’s eine eigentlich ungefährliche Situation vor dem Seebner Tor, die Verteidiger stellen sich sehr ungeschickt an und kriegen den Puck trotz diverser Gelegenheit nicht geklärt, und so ist es Jordan Pfennich, der das Geschenk dankend annimmt und zum 8:0 trifft.

6 Minuten vor Schluss gibt’s eine Strafe für Seewen, und was Chur da für ein Powerplay aufzieht, hat die Welt noch nie gesehen. Ohne Scheiss, besser geht’s nicht! Der Puck wird schnell und gezielt und direkt über mehrere Stationen weitergespielt, so dass Ron Fischer schlussendlich keine Probleme hat, den Puck zum 9:0 zu versenken. Ein Traum ! Und sowas vom gefühlt schlechtesten Überzahl-Team der Welt. Chapeau !

13 Sekunden (!) später bedient Bigliel mit einem Traumpass den frei vor dem Tor stehenden Curdin Lampert, welcher nur noch verwerten muss, 10:0 !!! Und 27 Sekunden (!) später trifft Yannick Bucher dann noch zum zweiten Mal heute Abend und stellt aufs Schlussresultat von 11:0 !!!

Die Stimmung im Churer Block ist natürlich ausgelassen, und so werden Lele Sarkis (Shutout) und Lukas Sieber (einen Oscar für “bester Nebendarsteller”) nochmals zu einer Welle zurückgeholt.

Was soll man da noch gross sagen, das Resultat sagt eigentlich alles. Hätte aber komplett anders rauskommen können, wenn im ersten Drittel nicht komplett alles für den EHC Chur gelaufen wäre. Aber durch so viele Scheisse, wie wir schon gekrochen sind, haben wir uns das auch mal verdient

Beste Spieler:

Ist so etwas nach einer 11:0 Gala wirklich nötig? Jeder Spieler hat zu den 11 Toren oder zu den 0 Gegentoren seinen Teil beigetragen, also erhält jeder ein Sternchen in sein Poesiealbum. Da dies hier aber kein Kindergeburtstag ist, gibt’s halt doch noch die Bewertung:

*** Ron Fischer
** Yannick Bucher
* Jordan Pfennich

Fazit:
Schöööön isch schwarzwiiss und rooot,
schöööön isch schwarzwiiss und rooot,
dr EHC isch wieder do, dr EHC isch wieder do !

Mögen unsere Gegner mit zittrigen Knien das Resultat zur Kenntnis genommen haben! Der Steinbock ist erwacht!

HIER geht es zum Spieltelegramm.

 

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