EHC Bülach – EHC Chur 4:3 (1:1, 1:0, 2:2)

Tore für Chur: Scherrer, Sieber, Engler
Zuschauer: 286, davon 20 Churer

Der EHC Chur unterliegt einem keinesfalls unwiderstehlichen EHC Bülach im trost- und stimmungslosen Kühlschrank zu Hirslen mit 3:4 Toren.

Das heutige Spiel gegen Bülach steht unter keinen guten Voraussetzungen. Zum einen ist F.C. wieder im Fanblock mit dabei, welcher seit der Playoff-Niederlage in Biasca in allen folgend besuchten Spielen nur noch Niederlagen in fremden Stadien sah, zum zweiten muss ich von meinem Aberglauben, nach Siegen dieselben Kleider nochmals anzuziehen, abkommen, weil ich im Bülacher Gefrierfach sonst erfrieren würde. Ich nehme eine Teilschuld an der Niederlage also auf mich. Entschuldigung!

Wie aufgrund dieser beiden Handicaps zu erwarten, macht Bülach von der ersten Sekunde an Dampf. Drei Minuten lang spielt sich das Geschehen ausschliesslich vor dem Tor von Lele Sarkis ab, der unter anderem einen gezielten Hocheck-Schuss mirakulös mit der Fanghand aus der Luft fischt. Erst nach drei Minuten macht auch der EHC offensiv auf sich aufmerksam, Alban Rexha scheitert aber an Büli-Goalie Zucchetti. Kurz nach dieser Szene gibt es die erste Strafe des Spiels, Andi John muss wegen eines Beinstellens in die Kühlbox (als ob nicht das ganze Stadion eine Kühlbox wäre), der EHC übersteht die Strafe trotz ordentlich Druck der Zürcher aber schadlos. Das Spiel wiegt die nächsten Minuten hin und her, das Tempo ist hoch, es gibt wenige Unterbrüche und die Kräfteverhältnisse sind mittlerweile ausgeglichen. Nach 12 Minuten gibt es die zweite Strafe des Spiels, dieses Mal trifft es Lukas Sieber wegen eines Hakens. Doch kaum ist der Puck eingeworfen, zündet Simon Scherrer den Turbo, lässt zwei Verteidiger mit unglaublichem Tempo hinter sich stehen, zieht allein auf Zucchini los und bezwingt diesen eiskalt (hihi) zum 1:0.

Die Strafe läuft aber natürlich noch weiter, wieder wehren sich die Churer erfolgreich, doch just in dem Moment, als Sieber das Eis wieder betritt, fällt der Ausgleich doch noch. Schade, aber zugegebenermassen nicht unverdient.

Das Spiel bleibt auch danach sehr ausgeglichen, Chancen hüben wie drüben, unter anderem setzt Alban Rexha einen Schuss an den Pfosten. In der 16. Minute muss mit Dario Horber zum dritten Mal ein Churer auf die Strafbank, Büli drückt, aber Lele Sarkis rettet mit einem weiteren Big-Safe mit der Fanghand.

Mit einem gerechten 1:1 geht’s in die Pause und man gönnt sich einen Glühwein anstatt dem gewohnten Pausenbier.

Auch das zweite Drittel startet ausgeglichen, die grösste Chance ergibt sich den Churern, die nach rund 5 Minuten zu dritt auf einen Verteidiger zustürmen können, dieses Mal ist es Zucchetti, der blitzschnell reagiert und seine Farben mit einem tollen Reflex vor dem erneuten Rückstand rettet. Bis Mitte des Drittel übernimmt der EHC Chur immer mehr die Hoheit über das Spiel und ist die leicht bessere Mannschaft, kann diverse gute Chancen jedoch nicht verwerten. Als dann nach 31. Minuten der erste Bülacher auf die Strafbank muss, erhofft man sich aus der optischen Dominanz nun endlich auch etwas zählbares, das Powerplay ist jedoch sehr schwach und verpufft erfolglos. Und so kommt es halt, wie es meistens kommt, es läuft die 36. Minute,als Bülach zu einer Chance kommt, wie sie die Churer x-fach in diesem Spiel schon hatten, nur sind die Zürcher halt so effizient, und nutzen sie. Entgegen dem Spielverlauf fällt das 2:1 fürs Heimteam. Die Churer versuchen auch nachher alles Mögliche und rennen erfolglos an, näher als bei einem Schuss ans Lattenkreuz nach 39 Minuten und 59 Sekunden – der hätte also noch gezählt – kommen sie dem Tor aber nicht. Mit einem für Bülach schmeichelhaften 2:1 geht’s zum Schnitzelbrot.

Das dritte Drittel ist drei Minuten alt, als es zu einer Slapstick-Szene kommt, über die man noch so gerne lachen würde, wenn es denn der gegnerischen Mannschaft passiert. Leider sind es aber zwei Churer, die an der eigenen blauen Linie übereinanderstolpern, irgendwie verkeilt auf dem Eis liegen und beide nicht rechtzeitig wieder hochkommen, um die Bülacher, die den direkt vor den beiden Churern liegenden Puck in aller Ruhe übernehmen können, am Toreschiessen zu hindern. Dankend nehmen die Zürcher das Geschenk an und erhöhen auf 3:1.

Danach fällt Chur komplett auseinander. Plötzlich ist nichts mehr von der bis dahin guten Leistung zu sehen, nichts klappt mehr, das Spiel hat sich minutenlang komplett ins Churer Verteidigungsdrittel verlagert. Alle sehen das. Alle merken das. Nur einer nicht, der steht seelenruhig mit verschränkten Armen an der Bande, schaut sich das Schlamassel an und tut rein gar nichts. Ah doch, er kritzelt gelegentlich was auf seinen Block. Aber keine Interaktion mit den Spielern, kein Timeout um den Spielfluss der Bülacher zu stoppen. Dann muss Claudio Engler für 2 Minuten auf die Strafbank. Die Strafe wird noch unbeschadet überstanden, jedoch fällt zur Spielmitte dann doch noch das 4:1 für Bülach, was so was von klar und zu erwarten war. Und jetzt nimmt Habisreutinger endlich das Timeout. Und siehe da, danach wird’s gleich wieder besser, nur rund 90 Sekunden später kämpft Lukas Sieber den Puck über die Linie. Und wiederum nur 2 Minuten später schliesst Claudio Engler eine herrliche Kombination zum 4:3 ab. Plötzlich sind wir wieder da, was auch den Bülacher Trainer zu einem Timeout veranlasst.

Die Churer Druckphase erhält danach durch einen unnötigen Stockschlag von Lukas Sieber, für den er 2 Minuten raus muss, einen Dämpfer. Die Strafe ist zur Hälfte abgelaufen, als es im Churer Slot zum Austausch von Nettigkeiten kommt, aus dem die Bülacher mit 2 x 2 und die Churer mi 1 x 2 Strafminuten rausgehen. Nach Ablauf der Strafe von Lukas Sieber hat der EHC also Powerplay. Leider nicht lange genug, um es auszunutzen, es bleibt vorerst beim 4:3. Die Churer drängen jetzt aber vehement auf den Ausgleich, bis eine Minute vor Schluss ein Pfiff ertönt und die Hand des Schiris oben ist. Alle auf dem Eis schauen sich und den Schiri fragend an, niemand weiss, was er gesehen hat und wer raus muss. Nach ein paar Sekunden der allgemeinen Konfusion trifft es Lars Arpagaus, der wegen eines Hakens raus muss (umso ärgerlicher, weil ein paar Sekunden zuvor ein glasklares Abseits der Bülacher nicht gepfiffen wurde). Die Chance, Lele Sarkis durch einen sechsten Feldspieler zu ersetzen, ist damit wohl leider dahin.

Aber: Bülach gelingt kein weiterer Treffer mehr. Im Gegenteil. Alban Rexha zieht zum dritten Mal heute Abend allein auf Zucchetti los, wird aber zur tragischen Figur dieses Spiels, weil er auch diese letzte Chance nicht nutzen kann. Aus, vorbei, der EHC verliert absolut unnötig mit 4:3.

Die besten Churer:

*** Scherrer
** Sarkis
* Sieber

286 stumme Zuschauer in einer trostlosen, veralteten “Halle”. Unnötige Punkteverluste gegen einen direkten Tabellennachbarn. Kein Vorwurf ans Team, gut gespielt aber halt wieder mal die zahlreichen Chancen nicht genutzt. Das Timeout kam leider ein Tor zu spät.

Fazit: Da wäre mehr drin gewesen…

 

Keine Kommentare

Kommentiere den Artikel