EHC Chur – EHC Dübendorf 2:3 (2:1, 0:1, 0:1)

Tore für Chur: Pozzorini, Scherrer
Zuschauer: 503

Spiele gegen Dübendorf haben ihren ganz besonderen Reiz, auch heute wirds nicht anders sein. Doch beginnen wir von vorne…

Im Laufe des Tages sickert die Information, dass Chur am Abend ohne Rexha, der sich mit Rückenschmerzen rumplägt, spielen muss, durchs Buschtelefon. Gute Besserung, Alban! Für ihn heute im Topscorer-Jersey und -Helm: Lukas Sieber.

Die ersten 10 Minuten gehören ganz klar Dübi, auch begünstigt durch Strafen gegen Lars Arpagaus und Simon Scherrer. Zweiterer muss nach 9 Minuten von der Strafbank aus zusehen, wie Dübi durch einen schönen, gezielten Schuss ins Kreuz absolut verdient 0:1 in Führung geht.

Mitte Drittel geht’s dann wieder los mit den bekannten Mätzchen der Dübendorfer. Ein Stockschlag hier, ein hoher Ellbogen da, eine Hand ins Gesicht dort, und immer wieder, nach jedem Pfiff, Diskussionen mit dem Schiri.

Lukas Sieber gerät vor dem Tor der Einhörner in ein kleines Rencontre mit einem Zürcher, der sich danach zu einer ungeahndeten Geste gegen die Rheinkurve hinreissen lässt. Ein anderer Zürcher schafft es, den Schiri mit einer Pippo Inzaghi-Gedächtnisschwalbe wegen eines vermeintlichen hohen Stockes zu einem Pfiff zu verleiten, die Strafe bleibt zum Glück ungenutzt. Trotz all’ dieser Mätzchen ist es komischerweise aber der EHC Chur, der immer besser ins Spiel findet und die klare Dominanz der Zürcher aus den ersten 10 Minuten endlich durchbricht. In der 18. Minute wirkt sich dies auch auf dem Scoreboard aus, Alessio Pozzorini trifft zum mittlerweile nicht unverdienten 1:1. Dieser Spielstand hält bis kurz vor Schluss, dann folgt eine Szene, wie ich sie in meinen, vielen, viiiiielen Jahren als Chur-Fan noch nie gesehen habe:

Die Churer schnüren Dübendorf 1 Minute vor Schluss vor deren Tor ein und machen mächtig Dampf, irgendwann wirds einem Zürcher zu gefährlich und er verschiebt absichtlich das Tor. Nicht nur ein wenig, sondern eindeutig und glasklar, der rechte Pfosten ist ein Meter aus der Verankerung. Der Schiri zeigt dies auch sofort an, pfeift aber nicht ab. Das Churer Publikum tobt und verlangt lautstark eine Strafe. Und auch auf dem Eis herrscht Konsternation, ausser bei zwei Spielern: Lukas Sieber und Simon Scherrer spielen unbeirrt weiter und unsere Nr. 44 versenkt den Puck dann tatsächlich im Netz des verschobenen Tores… und der Schiri gibt den Treffer!!! Die Churer jubeln, die Zuschauer zetern immer noch, die Dübendorfer bedrängen den Schiri. Es dauert ein paar Sekunden, bis auf den Rängen die Wut zuerst in Verwunderung und danach in (Schaden)-Freude wechselt. Zum ersten Mal am heutigen Abend verstehe ich die Dübendorfer, dass sie beim Schiri weinen gehen, es nützt aber nichts, der Treffer wird tatsächlich gegeben! Ein paar besonders fachkundige Zuschauer belehren dann ihre Kollegen: “Wenn das Tor in der letzten Minute absichtlich verschoben wird, gibts einen technischen Treffer”. Ja, davon hab’ ich auch schon gehört, aber gilt das nicht erst und nur für die 60. Minute? Für (mehr oder weniger) Aufklärung sorgt dann ein Blick ins Reglement:

Ich weiss nicht, welche dieser Regeln den Schiri zur Anerkennung des Tores überzeugt hat, ist mir eigentlich ja auch egal. Schön, so etwas mal in Chur erlebt haben zu dürfen!

Mit einem doch eher glücklichen 2:1 für Chur gehts in die erste Drittelspause.

Über das zweite Drittel mag ich gar nicht viel schreiben, es war aus meiner Sicht ein einziges grosses Ärgernis. Fehlpässe über Fehlpässe, eine nicht-existente Angriffsauslösung, furchtbares Stellungsspiel. Es ist ein Graus, dem Geschehen auf dem Eis zuzuschauen. Zum Glück spielt Dübendorf heute Abend auch nicht wie ein Spitzenteam, sonst würden sie das gnadenlos ausnutzen. Sie sind aber trotzdem das bessere, wenn auch nicht wirklich gefährlichere Team. Und wenns dann doch mal zu einem Abschluss kommt, steht Lele Sarkis gewohnt sicher zwischen den Pfosten, in einer Situation rettet er innert wenigen Sekunden zwei Mal mirakulös.

Nur einmal, nach rund 5 Minuten, kann auch Sarkis nichts mehr retten und die Dübendorfer erzielen den Ausgleich, der bis zur zweiten Drittelspause hält. Ein typisches zweites Churer Drittel also… Abschaffen, dieses Drittel!

Im dritten Drittel wirds dann wieder besser. Viel besser! Chur jetzt plötzlich mit mindestens gleich viel Spielanteilen wie Dübendorf. Nach 4 Minuten eine erste Grosschance für die Steinböcke, welche leider nicht genutzt werden kann. Mitte Drittel muss Ehinger auf die Strafbank, es ist aber Alessio Pozzorini, der sich in Unterzahl kraftvoll gegen den hintersten Verteidiger durchsetzen kann, dabei aber regelwidrig am Abschluss gehindert wird und einen Penalty zugesprochen bekommt. Leider vermag er ihn nicht zu verwerten, es bleibt beim 2:2.

Kurz danach bietet sich Luca Infanger die Chance zur Führung, er steht mutterseelenallein vor dem Tor, der Puck gelangt über Irrwege und Zufälle genau zu ihm, er zögert aber ein bisschen zu lange mit dem Abschluss, so dass ihn die Zürcher noch stoppen können. Es ist jetzt aber klar Chur, dass der erneuten Führung näher steht. 4 Minuten vor Schluss folgt ein nächster Schuss aufs Tor von Dübendorf, der Puck prallt aus dem Fanghandschuh von Gäste-Goali Meier und senkt sich in hohem Bogen hinter ihm runter, immer näher ins leere Tor… und landet auf der Latte, von wo er dann hinter das Tor fällt. Verdammt…

3 Minuten vor Schluss gibts mal wieder ein Handgemenge, aus dem die Dübendorfer mit einer Strafe mehr rausgehen, als die Churer.

Die Chance also, das Spiel spät doch noch zu gewinnen. Das Powerplay ist dann auch gar nicht mal so schlecht, mehr als ein Schuss an den Aussenpfosten gelingt den Churern aber leider doch nicht. Die Strafen laufen aus, die letzte Minute tickt hinunter, man macht sich auf die Verlängerung bereit… als nach 59 Minuten und 50 Sekunden, also 10 verdammte Sekunden vor Schluss, Steven Widmer den Puck aus einer unübersichtlichen und eigentlich völlig ungefährlichen Situation zum Entsetzen aller Churer doch noch ins Tor bugsiert. Ausgerechnet Steven Widmer! Der König der Provokationen, der heute mal wieder besonders negativ aufgefallen ist und es sich auch nach dem Siegtreffer nicht nehmen lässt, seine Freude ausgelassen mit dem ganzen Stadion zu teilen und debil in die Churer Fangruppen zu lächeln. Aber wer kann’s ihm verübeln…?

Es gibt danach noch ein paar Diskussionen zwischen Churern und dem Schiri (warum eigentlich?), bevor dann für 10 Sekunden doch noch einmal angespielt wird. Das Wunder bleibt aber aus, Chur geht zum ersten Mal diese Saison ohne Punkte aus einem Heimspiel.

Die drei besten Churer:
*** Lele Sarkis
** Maurin Tosio
* Lukas Sieber

Fazit:
Einmal mehr wird die grosse Chance vertan, in der Tabelle einen Sprung nach oben zu machen. Immer wenn man dran ist, gibts wieder einen Rückschlag. Woran liegt’s?

Ausserdem noch ein persönlicher Einschub: Dübendorf rutscht immer mehr in die Rolle der ehemaligen Tessiner Clubs, sprich sie fallen mittlerweile mehr durch Provokationen, Rumgeflenne und Theatralik auf, als durch gutes Eishockey. Schade und umso ärgerlicher, dass sie dafür gestern auch noch belohnt wurden. Und wir müssen aufpassen, dass die Stimmung im Hallenstadion sich nicht dem Rest der Liga anpasst. Das war gestern gruselig, bis der Funke vom Eis auf die Ränge übersprang. Das muss unbedingt wieder besser werden…

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