EHC Thun – EHC Chur 0:3 (0:1, 0:2, 0:0)

Tore für Chur: Horber (2), Sieber
Zuschauer: 531 (80 Churer)

 

Die 100 €-Quizfrage zum Einstieg: was macht der gemeine Churer Fan an einem Samstag, an dem Bilderbuchwetter wie aus dem Tourismus-Prospekt herrscht?

A: die traumhaften Bedingungen auf den Pisten unserer Skigebiete geniessen?
B: romantische Spaziergänge mit seinen Liebsten durch die sonnige Winterlandschaft eines Bündner Tales?
C: auf einem Liegestuhl in einer Bergstation die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und das Leben geniessen?
D: 7 Stunden Carfahrt quer durch die Schweiz, um seinen Herzensverein spielen zu sehen, obwohl die Chance, dass er verliert, gross ist?

Was, ihr wollt den Telefon-Joker? Okay, rufen wir R.C. aus C an…. seine Antwort: “Was soll denn die blöde Frage? Natürlich gehen wir nach Thun! Wohin denn sonst, nach Lugano? Lang nömm’ bumst?”

Die Carfahrt entpuppt sich heute als sehr kurzweilig. Gute Leute im Car. Interessante Diskussionen. Gutes Bier. Schwuppdiwupp stehen wir vor den Toren des Thuner Stadions. Wobei es da gar keine Tore hat. Wie in meinem Vorbericht vor der Saison vorgewarnt (hier nochmals zum nachlesen, wenn sich das jemand nochmals antun möchte), gibt’s im Thuner Stadion keine Türen. Oder Wände. Auf alle Seiten offen, das Teil. Hat aber irgendwie trotzdem seinen Charme. Dafür gibt’s entgegen den Befürchtungen Wurst und leckeres Bier.

Das Spiel beginnt flott, die ersten zwei Minuten gehören Thun, das die Churer sofort einschnürt und unter Druck setzt. Erst in der dritten Minute kommen auch die Churer zum ersten Abschluss, welcher zudem der bisher gefährlichste des Spiels ist. Thun-Goalie Küenzi verhindert die Führung aber mit einem sicheren Fanghand-Save. Thun bleibt danach am Drücker, ohne aber wirklich gefährlich zu sein, zu gut steht die Churer Defensive. Nach 9 Minuten gibt’s dann endlich die erste “Druckphase” für unseren EHC, unzählige Male kurven unsere Spieler ums Thuner Tor, suchen immer wieder den Abschluss, der abprallende Puck wird sofort wieder erobert, nächste Runden ums Tor, wieder Abschluss… Einen richtigen Hochkaräter gibt’s zwar nicht, aber das sieht doch schon mal ziemlich gut aus.

Die zahlreichen Churer Fans peitschen ihr Team lautstark nach vorne, eine so schlechte Akustik wie in dieser “Halle” habe ich aber noch selten miterlebt. Die Rufe und Anfeuerungen ziehen irgendwie via Durchzug in Richtung See oder in die anliegenden Wohngebiete. Das erstaunliche Grüppchen an Thun-Fans (mehr als erwartet, mit Pauke und grosser Fahne) ist bei uns drüben fast nicht zu hören, obwohl auch sie kräftig Radau machen. Schade…

Nach 13 Minuten muss mit Claudio Engler der erste Spieler am heutigen Abend wegen eines Beinstellens auf die Strafbank. Die grösste Chance während dieser 2 Minuten gehört aber den Churern, Lukas Sieber kann sich absetzen, Küenzi aber leider nicht bezwingen. Ansonsten steht das Churer Boxplay sehr gut und lässt keine Chance zu.

Nach 17 Minuten muss dann auch der erste Thuner in die Kühlbox. Die Thuner gewinnen zwar das folgende Bully, der Befreiungsschlag misslingt dann aber völlig und der Puck fliegt aus dem Spielfeld. Nur 2 Sekunden nach dem ersten Thuner folgt ihm also ein Kollege auf die Strafbank, Chur kann also 2 Minuten in doppelter Überzahl spielen! Und es dauert nur 45 Sekunden, bis Jesus Horber den Puck haargenau ins Kreuz schlenzt, da ist die Führung für Chur! Die verbleidende Strafe kann leider nicht auch noch ausgenutzt werden, mit einer 1:0 Führung für die Gäste geht’s also in die Pause. Da lacht der Pozzo…

Das zweite Drittel beginnt ebenfalls mit dominanten Thunern, nach 90 Sekunden prallt der Puck an den Aussenpfosten. Es geht dieses Mal aber schneller, bis auch Chur ins Spiel findet. Zugegebenermassen begünstigt durch den Schiedsrichter, der bei einer kleinen Rangelei vor dem Tor zwei Thuner aber keinen Churer mit Strafen belegt. Also wieder 2 Minuten doppelte Überzahl. Und diese Gelegenheit wird noch schneller ausgenutzt als die erste: Der Puck gelangt von Urech via Gemperli zum am zweiten Pfosten völlig freistehenden Sieber, welcher problemlos zum 2:0 einnetzen kann. Herrlich gespielt, genau so geht Powerplay !

Nach 6 Minuten muss Andi John wegen einer Behinderung auf die Strafbank, ein sehr überzeugendes Boxplay verhindert aber den Anschlusstreffer. Mitte Drittel kommts zur bisher grössten Chance für die Thuner, ihr Topscorer jubelt nach seinem Abschluss auch schon, doch Lele Sarkis, dieser Teufelskerl, schnappt sich den Puck noch, bevor er die Linie überquert. Danke Lele, das hätte das berühmte Momentum verschieben können.

In der 34. Minute zappelt das Netz dann aber doch… Aber nicht hinter Lele Sarkis, sondern hinter Küenzi. Und es ist wieder Jesus Horber, welcher den Churer Anhang kollektiv ausrasten lässt. 3:0! Und nur ein paar Sekunden später bietet sich Pozzorini sogar die Chance zum 4:0, im Gegensatz zum heute eiskalten Horber kann er die Chance aber leider nicht nutzen. 1 Sekunde vor Schluss des Drittels muss Pepe Bigliel wegen eines Haltens auf die Strafbank. Der heute wirklich, wirklich starke Schiri Jung schickt den gefoulten Thuner wegen übertriebenem Schauspiel aber grad mit auf die Strafbank. Bravo Schiri, solche Entscheide sieht man leider viel zu selten !

Mit einem schönen 3:0 geht’s in die zweite Drittelspause. Zu wenig, um sich in Sicherheit zu wiegen – da haben wir als Churer schon zu viel erlebt – aber immerhin ziemlich beruhigend für die angeschlagenen Herzen…

Die 2 Minuten 4 gegen 4 Anfangs des dritten Drittels verpuffen, ohne dass irgendwas erwähnenswertes passiert. Dafür braucht es in der dritten Minute eine weitere grosse Parade von Lele Sarkis, um den ersten Treffer des Heimteams zu verhindern. In der fünften Minute muss Lars Arpagaus wegen einer Behinderung auf die Strafbank, zweieinhalb Minuten später ein Thuner wegen Beinstellens. Beide Strafen können vom jeweiligen Überzahl-Team aber nicht ausgenutzt werden. Das Spiel wiegt danach hin und her, Chur fokussiert sich verständlicherweise auf die Defensive und überlässt das Spieldiktat den Thunern, die auch zu ein paar mehr oder weniger gefährlichen Abschlüssen kommen, Lele Sarkis steht aber wie eine fuckin’ Wand da hinten drin und strahlt heute eine extreme Ruhe aus. Irgendwie spürt man, dass er heute keinen reinlassen wird. Und so kommt es denn auch, die Minuten und Sekunden schmelzen dahin, Chur steht defensiv stark, 5…. 4…. 3…. 2…. 1…. AUS! AUSWÄRTSSIEG! Das tut der geschundenen Churer Fanseele gut!

Minutenlang wird danach noch gesungen und gejubelt und versucht, die Mannschaft nochmals aufs Eis zu holen. Aber vergebens, die sind wohl schon bei der Pasta. Dafür kommen die Thuner Fans noch zu uns um zu gratulieren und sich zu bedanken. Sehr schöne, faire, sympathische Geste. Ich hoffe, man sieht sich in den Playoffs wieder!

Die drei besten Churer:

*** Sarkis
** Sieber
* Horber

Fazit: Sehr starke Leistung heute, warum denn nicht immer so? Vorallem defensiv war das sehr überzeugend, man liess sich auf keine Experimente ein und tat das, was man kann, und nicht das, was man meint zu können. Grosses Lob ausserdem an den Schiri, wobei einem das nach einem Sieg natürlich immer einfacher fällt, als nach einer Niederlage.

Leider (?) lief in den anderen Stadien alles so, dass sich zumindest tabellarisch nichts verbessert hat. Aber wir haben nur 5 Punkte Rückstand auf einen Playoffplatz. Und nur 7 Punkte auf Rang 5! So verdammt eng sieht das aus. Wir haben es also immer noch in den eigenen Händen. Es folgen 5 Endspiele gegen direkte Playoff-Konkurrenten, die heutige Leistung lässt hoffen! HOPP KHUR !!!

*Fulehung, fragt ihr euch? Hier die Erklärung. Heisst also gar nicht Arno.

HIER geht es zum Fotoalbum des Spiels von Mauricette Schneider (Phot’ hockey).

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