ehcfans.ch hatte die Gelegenheit, Andy Grothenn, Sportchef des EHC, einige Fragen zu stellen. Nachfolgend die Ausführungen:

ehcfans.ch: Die sportliche Halbsaison 2018/19 ist wenig erfolgreich verlaufen, der EHC ist Tabellenletzter… Deine Gedanken?

Andy Grothenn: Wir haben uns bewusst auf einen „Neuanfang“ entschieden und wussten, dass es mit dieser jungen Mannschaft nicht einfach werden würde. Dies haben wir auch bei unseren Saisonzielen immer so kommuniziert. Leider hatten wir drei schlechte Spiele, gegen Basel, gegen Seewen und gegen Bülach und dies ausgerechnet zu Hause vor dem eigenen Publikum. Ausserdem hatten und haben wir wieder viele verletzte Spieler, darunter auch Leistungsträger. Unser Saisonziel ist und bleibt der Ligaerhalt. Ich bin felsenfest überzeugt, dass diese Mannschaft den Turnaround und somit den Ligaerhalt schafft. Auf jeden Fall arbeiten wir alle daran, Staff, Mannschaft und Vorstand, damit wir die Liga halten können.

 

Was sagst Du zum Vorwurf, dass ihr euch bei der Kaderplanung mit den „Jungen Wilden“ verschätzt habt und nun in diese missliche Situation geraten seid?

Es ist nun mal so, dass wir uns als gesamter Verein für diese Strategie entschieden haben. Wir sind auch nach wie vor überzeugt von diesem Weg und werden jetzt nicht auf halber Strecke davon abweichen. Zumal uns in der Vergangenheit ja auch immer wieder vorgeworfen wurde, zu wenig auf die Jungen zu setzen.
Wir waren (und sind) uns aber stets bewusst, dass wir mit dieser Strategie eine ganz schwere Saison bestreiten würden, wenngleich wir natürlich nicht davon ausgegangen sind, als Tabellenletzter in die Weihnachtspause zu gehen. Aber gerade weil wir die Situation immer realistisch eingeschätzt haben, sind wir nach wie vor sicher, dass es uns gelingen wird die Klasse halten zu können und werden auch bis zum letzten Spiel alles in unserer Macht Stehende dafür einsetzen. Ende Saison wird dann Bilanz gezogen.

 

Die Abgänge von Claudio Engler und Dario Horber haben für Unmut und viel Spekulationen gesorgt, zudem wurden sie nicht ersetzt. Woran scheitern nominelle Zuzüge für den EHC?

Natürlich haben uns diese Abgänge auf dem falschen Fuss erwischt, denn sowohl „Horbi“ wie auch „Engi“ waren mit ihrer langjährigen Erfahrung auf und neben dem Eis für das gesamte Teamgefüge wichtige Bausteine bei der Kaderzusammenstellung letzten Frühling. Aber auch wenn uns klar war, dass die vielen Jungen im Team diese Lücke nur bedingt ausfüllen können, gab es keinen Zweifel, dass wir dem Wunsch von so verdienstvollen Spielern entsprechen und diese ziehen lassen.

Betreffend Zuzügen sind im Moment einfach keine Spieler auf dem Markt, von denen wir überzeugt sind, dass sie die Mannschaft auch wirklich weiterbringen. Im Gegenteil, es ist vielmehr so, dass sogar andere Vereine ein Auge auf den einen oder anderen Spieler von uns geworfen haben. Ich kann aber versichern, dass wir überall unsere Fühler ausgestreckt haben und sofort zugreifen, wenn sich für uns eine Chance ergibt.

 

Wie beurteilst Du die Arbeit von Headcoach Konstantin Kurashev?

Konstantin Kurashev macht einen super Job. Er ist der richtige Trainer für diese Mannschaft.

Präsident Urs Knuchel hat in einer eher unglücklichen Aussage erwähnt, dass der Abstieg vielleicht nicht mal das Schlimmste sei. Ein Versprecher in der Not oder eine Option, welche in Kauf genommen wird (oder, anders gefragt, wird dem Abstieg mit allergrösster Konsequenz entgegengetreten)?

Grundsätzlich kann und werde ich hier keine Stellung zu Aussagen unseres Präsidenten nehmen, zumal ich auch nicht dabei war und nicht weiss, in welchem Kontext diese gemacht wurden. Ich kann aber versichern, dass alle im Verein nur ein Ziel haben: den Abstieg mit aller Macht verhindern!

 

Man munkelt, dass es beim EHC finanziell wiederum sehr düster aussieht. In der Zeitung wurde bemerkt, dass der EHC Mühe habe, die Eismiete zu bezahlen. Zudem machen Gerüchte die Runde, dass teilweise auch Löhne nicht bezahlt wurden.

Mit den neuen Besitzverhältnissen der Halle hat sich die Situation für den Verein betreffend Abgaben an die Stadt natürlich grundlegend geändert. Dass wir diesem Umstand bei der Budgetierung mangels besseren Wissens zu wenig Beachtung geschenkt hatten ist das eine. Der grössere Fehler unsererseits war, dass wir in den letzten Monaten unsere Energie wohl zu fest auf andere Dinge wie z.B. die Volksabstimmung gelegt hatten, anstatt hier unsere Hausaufgaben zu machen. Wir sind aber seit ein paar Wochen mit den Verantwortlichen der Stadt Chur intensiv daran, diese Versäumnisse möglichst zeitnah aufzuarbeiten.

Betreffend Gehaltszahlungen kann ich aber versichern, dass alle Löhne immer fristgerecht bezahlt wurden und dies auch in Zukunft so sein wird.

 

Obwohl der EHC immer mal wieder in Finanznöten ist, versäumt er es, neue Geldgenerierungsquellen zu suchen. Beispiele sind neben dem allgemeinen Sponsoring der Club 300, ein (online)-Fanshop, Events rund um die Spiele, etc.

Der Verein Bock uf EHC hat vor der Saison die Bar im hinteren Teil des Restaurants umgebaut. Diese „Sports Bar“ soll ein Treffpunkt für alle werden, vor und nach den Spielen. Ausserdem können die MySports Lounge und die Calanda Glatsch Lounge auf unserer Homepage gebucht werden.

 

Die Kommunikation, die ewige Achillesferse des EHC, wurde auch nach mehrmaligem Versprechen und kurzzeitigen Aufflackerns wieder komplett eingestellt. Mit einer offenen Kommunikation könnte beim Umfeld aufkommender Unmut im keim erstickt werden. Was sagst Du dazu?

Das ist sicherlich richtig, dass wir in diesem Bereich noch ziemlich viel Luft nach oben haben. Darum haben wir uns auch entschieden, uns in Zukunft dabei mehr unterstützen zu lassen. Allerdings ist Kommunikation auch keine Einbahnstrasse und wir vom Vorstand stehen immer für einen kultivierten Austausch oder, wie in diesem Beispiel, für konkrete Fragen zur Verfügung. Andererseits ist es aber auch so, dass es auch Informationen gibt, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, und dann ist es eigentlich gar nicht möglich aufkommende Gerüchte im Keim zu ersticken. Ich verstehe voll und ganz, dass das Unmut mit sich ziehen kann. Aber manchmal muss man einfach darauf vertrauen, dass unser Handeln im Gesamtkontext sinnvoll ist. Aber klar, dieses Vertrauen müssen wir uns auch immer wieder erarbeiten.

 

Es scheint irgendwie, dass dem aktuellen Vorstand einfach die Zeit für die vielfächigen Aufgaben fehlt. Ist es denn keine Option, die Aufgaben breiter zu verteilen und neue Leute ins Boot zu holen und dazu breitere Strukturen innerhalb der Führungsetage zu schaffen?

Infolge des Abgangs des Geschäftsführers entstand schon ein gewisses Vakuum und wir waren gezwungen einige Aufgaben kurzfristig neu zu verteilen. Eine Überprüfung der Führungsstruktur ist nicht nur eine Option es ist unsere Pflicht dies regelmässig zu tun. Realistischer Weise aber wohl eher nach der Saison richtig umsetzbar. Und dann müssen sich auch noch die Leute finden lassen, die wirklich bereit sind über eine längere Zeit Verantwortung zu tragen.

 

Es wird immer mal wieder die Forderung laut, ehemalige Spieler in den Verein einzubinden, an welchen Positionen auch immer. Müsste der EHC nicht auf seine Ehemaligen zugehen und sie animieren, beim EHC mitzuhelfen (nicht nur als Nachwuchstrainer – was zwar auch sehr löblich ist – sondern auch im Vorstand, als Teamchef, als „Botschafter“ usw.?

Wie du richtig erwähnst, sind bei uns sehr viele ehemalige Spieler im Nachwuchsbereich tätig. Aus meiner Sicht ist das auch einer der Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Aber klar wäre es schön, wenn auch in anderen Bereichen die Erfahrung ehemaliger Spieler vermehrt Einzug halten würde. Es wird aber generell immer schwieriger Leute zu finden, die bereit sind einen Teil ihrer Freizeit in die Vereinsarbeit zu investieren –  ob die nun Eishockey gespielt haben oder nicht.

 

Wie sieht es betreffend Kaderplanung für die Saison 2019/20 aus? Gibt es bereits Neuigkeiten hierzu?

An der Kaderplanung für nächste Saison sind wir dran. Sobald es Neuigkeiten gibt, seid ihr die ersten die es erfahren werdet.

 

Wie seht ihr die weitere Zukunft unseres Clubs. Es zeichnet sich immer mehr der Wandel zu einem reinen Ausbildungsclub anstelle eines Publikumsvereines ab. Wie seht ihr das?

Wir müssen es schaffen, dass wir eine Mischung zwischen Ausbildungsclub und Publikumsverein werden. Es gibt viele ehemalige Churer die dafür in Frage kommen. Wir müssen aber auch eine Plattform für unserer eigenen jungen Spieler haben, damit die sich auch weiter entwickeln können.

 

Der EHC bringt traditionsgemäss immer wieder tolle Spieler heraus. Wieso kann der Club nicht mehr von der Talentschmiede profitieren und wieso verliert sich der Weg von zu vielen Churern nach dem Juniorenalter irgendwo im Nimmerland?

Die Spieler mit Willen und Talent werden den Club verlassen, da sie auch einem höheren Niveau spielen können und werden. Dann gibt es Spieler die wir in der ersten Mannschaft integrieren können. Die Spieler die nicht wollen oder die Prioritäten anders setzten werden den Club leider zwangsläufig verlassen.

 

Erwarten wir vom EHC – als ehemaligen NL-Club – einfach zu viel? Klaffen Anspruch und Realität einfach zu fest auseinander?

Im Sport kann man sich mit vergangenen Erfolgen halt gar nichts kaufen kann. Es ist aber so, dass wenn es nicht läuft wie erwartet, man wehmütig an die guten alten Zeiten denkt. Dass dabei Anspruch und Realität manchmal etwas auseinandergehen, scheint mir auch logisch und ist doch auch ein Privileg der Anhänger. Wichtig ist, dass wir, die wir in der Verantwortung stehen, den Bezug zur Realität nicht verlieren.

 

Hand aufs Herz, macht die Führung des EHC Chur noch Spass? Wie belastet euch die Kritik (zu Recht oder auch zu Unrecht), welche immer mal wieder auf euch einprasselt?

Der EHC Chur lässt niemanden kalt, und das ist es was diesen Verein ja auch auszeichnet. Und in so einem Umfeld ist es auch völlig klar, dass man immer wieder mal von der einen oder anderen Seite kritisiert wird. Das gehört zum Job und ist völlig legitim. Was jedoch schon etwas bemühend sein kann, sind unfundierte Rundumschläge oder wenn nur auf den Mann/die Frau gespielt wird. Solche „Kritik“ ist im Endeffekt dann auch wenig zielführend.

 

John F. Kennedy hat mal gesagt, frag nicht, was dein (Club) für dich machen kann, sondern was du für deinen (Club) machen kannst? An die Leser dieses Interviews, wie können sie euch am besten unterstützen?

Wie gesagt, hat man als Fan und zahlender Zuschauer immer das Recht, sich kritisch zu äussern. Aber, auch wenn man noch so unzufrieden ist mit dem Umfeld oder dem Vorstand. Dieser Unmut darf nie der Mannschaft schaden, indem man sie nicht mehr unterstützt. Kommt wieder in Scharen ins Stadion und unterstützt die Jungs mit allem was das schwarz-weiss-rote Herz hergibt. Die Spieler und der Staff verdienen es. Zeigt wieder mal, warum die ganze Liga den EHC Chur für seine Fans beneidet. Auf geht’s Churer!

Danke, Andy, für deine Ausführungen!

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