EHC CHUR vs. HCV Martigny 3:5 (0:1, 1:1, 2:3)
Tore für Chur: Liechti, Sieber, Schommer
Zuschauer: 787

Tolle Leistung, aber keine Punkte

Was habe ich mich auf heute gefreut. Endlich wieder Eishockey! Endlich wieder ins Thomas-Domenig-Stadion! Endlich wieder die altbekannten Gesichter um mich herum auf der Tribüne sehen! Endlich wieder gemeinsam blöde Sprüche klopfen und sich mit unserem EHC freuen und – leider bedeutend öfters – mit ihm leiden!

Ich gebe zu, dass ich mir sicher war, dass es heute nichts zu holen geben wird, ja sogar eine Kanterniederlage zog ich in Erwägung. Zu stark erschien mir der Meisterschaftsfavorit Martigny, zu jung und unerfahren unser Team. Doch ich sollte mich täuschen! Was wir heute zu sehen bekamen, machte Lust auf mehr! Doch der Reihe nach…

Extra frühzeitig im Stadion anwesend erwartete ich gespannt den Einleitungen zum Start des ersten Saisonsspiels. Auf der Leinwand erschienen kämpfende Steinböcke, jubelnde EHC-Spieler und Impressionen aus der Stadt Chur, schöne Bilder! Dann fuhren die ersten Martigneusen aufs Eis, kurz danach unser EHC. Beide Mannschaften nahmen auf ihren blauen Linien Stellung und setzten ihre Helme ab. Die meisten im Stadion wussten wohl, was jetzt folgen würde: Die Trauerminute um unseren verstorbenen Christoph. Schön, dass daran gedacht wurde, Danke den Verantwortlichen.

Und dann gings los!

Bereits nach 52 Sekunden fasst der erste Martinacher eine Strafe. Leider ist unser Powerplay nicht existent, im Gegenteil, die grösste Gelegenheit ergibt sich Martigny. Die Chance kann nur verhindert werden, indem selber eine Strafe genommen wird, welche aber auch ohne Gegentreffer überstanden wird.

Nach 5 Minuten hat Martigny die nächste Powerplay-Chance, und dieses Mal nutzen sie die Überzahl. Ein flacher Schuss von der blauen Linie gleitet durch tausend Beine und an Lele Sarkis vorbei ins Tor, da ist die Führung für die Favoriten.

Der Rest des Drittels lässt sich so zusammenfassen: Das Spiel der Churer macht Freude! Sie spielen auf Augenhöhe mit, zeigen tollen Einsatz, kreieren Chancen, machen Checks fertig… Gute Leistung, ein Remis zur ersten Dritelspause wäre nicht unverdient gewesen.

Das zweite Drittel hat noch kaum richtig Fahrt aufgenommen, als ein harmlos scheinender Schlenzer irgendwie hinter Lele einschlägt, 0:2 aus heiterem Himmel. Auf der Tribüne ertönt aus diversen Mündern das Wort “Goaliebehinderung”, Lele selber interveniert aber kaum, scheint also korrekt gewesen zu sein.

Die Churer lassen sich aber nicht einschüchtern und spielen unbeschwert weiter. Und nach 24 Minuten und 57 Sekunden ist er da, der erste Churer Treffer der Saison 19/20. Und es ist kein traumhaft herausgespileltes Tor, sondern ein erarbeitetes. Brian Liechti ist es, der nach einer Parade des gegnerischen Torhüters fair nachstochert und den Puck über die Linie bugsiert. Darf ich schreiben, dass ein solches Tor letzte Saison wohl nicht gefallen wäre?

Das Spiel wiegt danach hin und her, Chur setzt Nadelstiche und spielt “dreckig” (aber nicht unfair!), was letzte Saison doch schmerzlich vermisst wurde. Jetzt wird halt auch mal nachgestochert, wenn der Goalie den Puck nicht sicher hat, das gabs letzte Saison doch nie. Der Einsatz des Teams wirkt sich auch aufs Publikum aus, während einer Strafe gegen Andi John hallen laute “EHC, EHC”-Chöre durchs Stadion, die den Einsatz der Boxplay-Formation honorieren. Geile Stimmung! Und als Janis “Murli” Egger nach einem gefressenen Crosscheck dem Gegenspieler den Stock in die Beine haut, wird er mit stehenden Ovationen auf die Strafbank begleitet. Erleben wir diese Saison mal einen bösen EHC? Einer, der sich nicht alles gefallen lässt? Ein begeisterndes Drittel endet ausgeglichen.

Ins dritte Drittel starten wir nach gut 2 Minuten wieder mit einer Strafe. Und ganze 3 Sekunden fehlen, bis der EHC wieder komplett wäre, als wiederum ein Schlenzer von der blauen Linie durch Freund und Feind hindurch den Weg zum 1:3 ins Tor findet. Sehr ärgerlich.
Genau zwei Minuten später hat Cedric Sieber einen Energieanfall, er tankt sich in beeindruckender Manier vom Flügel kommend am letzten Verteidiger vorbei und netzt den Puck in den Torhimmel. Wow, Traumtreffer! Und während ich mir die Notiz im Handy vermerke, wird um mich herum schon wieder gejubelt, ganze 10 Sekunden später gleicht Luca Schommer das Spiel aus! Nach meiner Rückfrage, wie das Tor gefallen ist, erhalte ich ein “who cares?”. Stimmt. 3:3. Egal wie…

Das berühmtberüchtigte Momentum wäre jetzt also klar auf Churer Seite. Doch dann erhält Brian Liechti nur 20 Sekunden nach dem Ausgleich eine Strafe für eine Behinderung, die das Stadion zum kochen bringt. Was hat der Schiri da bloss nur gesehen? Ungläubige Blicke auf dem Eis und den Rängen. Und obwohl das Powerplay des HCV Martigny fürs Auge nicht wirklich gefährlich ausschaut, ist es leider extrem effizient. Wieder ist es ein an und für sich “ungefährlicher” Schuss, der halt leider doch den Weg ins Tor findet, und schon wieder führt Martigny. Und nur 50 Sekunden später ist es der nächste Handgelenk-Schlenzer von der blauen Linie, der vor dem Tor (zugegebenermassen klasse) abgelenkt wird und für Lele Sarkis unhaltbar einschlägt.

Eine Minute vor Schluss erhält Yanick Sablatnig noch eine 5er + SD für einen Check gegen den Kopf (die Meinungen auf der Tribüne wanken zwischen “ganz klare Sache” und “der Martinacher ist ein oscarvedächtiger Schauspieler”), damit ist der Ausgang des Spiels aber natürlich klar. Nichtsdestotrotz wird die Mannschat in den letzten Sekunden und während der Best-Player-Auszeichnung mit stehenden Ovationen für ihre tolle Leistung gewürdigt.
Fazit: Noch selten habe ich nach einer Niederlage zufriedenere Gesichter im TDS gesehen. Was für eine tolle Leistung, und dies gegen den Meisterschafts-Favoriten! Die heutige Performance macht Hoffnung. Kopf hoch, Jungs. Weiterhin gut trainieren, dann kommen die Punkte. Ich bin zuversichtlicher denn je…

Die drei besten Churer:
*** Yanick Sablatnig
** Brian Liechti
* Cédric Sieber

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